Studienzentrum – Radiologische Forschung

Die Radiologie und Nuklearmedizin haben in den letzten Jahren eine immer größere Bedeutung für die klinische Forschung erlangt. Diese Verfahren sind so zuverlässig geworden, dass mit Hilfe radiologischer und nuklearmedizinischer Diagnostik die Wirksamkeit neuer Therapien überprüft werden kann. Unser Studienzentrum ist derzeit an etwa 20 internationalen wissenschaftlichen Studien beteiligt. Voraussetzung für die Teilnahme an diesen Studien sind modernste Geräte, viel technisches Know-How und besondere radiologische Expertise, um spezielle Bilder je nach wissenschaftlicher Fragestellung herzustellen und gezielt auszuwerten.


Wie wird Forschung organisiert?
In der Forschung gelten besonders hohe ethische und regulatorische Standards. Die Dokumentation der Untersuchungen und die Kommunikation mit anderen internationalen Zentren sind sehr aufwendig. Die wissenschaftlichen Studien werden durch global operierende Firmen organisiert und streng überwacht. Diese Forschung gelingt jedoch nur durch viel Engagement und eine enge Kooperation forschender niedergelassener Fachärzte vor Ort, meist Internisten und Neurologen. Studien aus unserer ländlich geprägten Region sind wissenschaftlich von hohem Interesse, da die Patienten statistisch besonders repräsentativ sind. Auch sind die Patienten meist nicht vorbehandelt oder an anderen Studien beteiligt wie es in Ballungszentren oder Unikliniken oft der Fall ist. Für unsere Patienten ergibt sich der Vorteil, dass sie von Fachärzten auf hohem universitärem Niveau versorgt werden.


Krebs – Onkologische Bildgebung
Die großen Fortschritte in der Krebsbehandlung der letzten Jahrzehnte waren nur möglich, da die Krebsspezialisten (Onkologen, Fachärzte der inneren Medizin) wie keine andere Ärztegruppe ihre Behandlungsergebnisse wissenschaftlich ausgewertet haben. Dabei hat man gelernt, dass dem Studiendesign eine besondere Bedeutung zukommt. Um einen echten Vorteil einer neuen gegenüber einer herkömmlichen Therapie festzustellen, müssen Studien „multizentrisch“ sein, d.h. an vielen Standorten mit unterschiedlichen Ärzten durchgeführt werden. Die Studien müssen „prospektiv“ im Voraus geplant sein. Ferner müssen die Patienten zufällig („randomisiert“) der alten bzw. neuen Therapie zugeordnet werden und weder der Arzt vor Ort noch der Patient wissen, ob die neue oder die alte Therapie anwenden („doppel-blind“). Untersuchungen von Krebspatienten, sei es innerhalb oder außerhalb von Studien, sind ein wichtiger Bestandteil der täglichen Routinetätigkeit unserer Radiologen. Derzeit führen wir wissenschaftliche Studien Brustkrebs und Darmkrebs, sowie Lungen-, Nieren- und Prostatakrebs durch. Ferner laufen Studien zu bösartigen Lymphomen.


Bildgebung bei Multipler Sklerose
Der Radiologie kommt bei der Diagnostik der Multiplen Sklerose (MS), auch Enzephalomyelitis disseminata (ED) genannt, eine ganz entscheidende Rolle zu. Mit der MRT kann man objektiv feststellen, ob die typischen Entmarkungsherde im Gehirn und Rückenmark vorliegen. Für wissenschaftliche Studien werden Untersuchungen vor, während und nach Abschluss der Therapie durchgeführt. So kann beobachtet werden, ob sich die Herde während der Behandlung zurückbilden. Multizentrischen Studien zur MS werden mit erheblichem Aufwand und besonderen Einstellungen an den MRT-Geräten durchgeführt. Neben der internen Qualitätskontrolle werden sämtliche Bilder anonymisiert zu einer externen Qualitätskontrolle verschickt. So wird sichergestellt, dass alle Bilder immer mit optimaler Qualität angefertigt werden.


Demenz
Der MRT kommt eine Schlüsselrolle in der Diagnostik der Demenz zu. Es gilt zunächst zu prüfen, ob eine Demenz vom Alzheimer-Typ oder eine andere Form der Demenz vorliegt. Bei der Demenz vom Alzheimer-Typ schrumpft ein Teil des Schläfenlappens besonders schnell. Dieser Schrumpfungsprozess kann durch mehrere MRT- Messungen festgestellt werden. Oft werden bei MS-Studien die Bilder automatisiert von Computern ausgewertet. Neben der Demenz vom Alzheimer-Typ hat sich unser Zentrum wissenschaftlich intensiv mit Marklagerveränderungen, so genannten white-matter-lesions, infolge von Durchblutungsstörungen des Gehirns beschäftigt. Diese führen in einem späten Stadium oft zur sogenannten vaskulären Demenz.


MRT bei Stoffwechselstörungen

MRT bei Fettstoffwechselstörungen: Dieses relativ junge radiologische Forschungsgebiet beschäftigt sich mit der Fettverteilung im Körper und der Verfettung der Leber. Der Grad der Leberverfettung kann sehr genau mit der MRT bestimmt werden und mit keiner anderen Methode gelingt so gut und nebenwirkungsfrei die exakte Vermessung zwischen Unterhautfettgewebe und Bauchfett. Diese Daten spielen eine wichtige Rolle bei der Früherkennung und Folgeabschätzung von Stoffwechselstörungen, insbesondere Diabetes mellitus und Adipositas. Besondere Aufmerksamkeit haben in letzter Zeit die sogenannten Tofi’s (Thin outside, fat inside) auf sich gezogen. Sie wirken äußerlich schlank, haben aber viel inneres Bauchfett und dadurch ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen.